Halte inne. Und spüre den Mut, der den Drachen besiegte.
Der Hirtenjunge Jakob und der Drache aus der Höhle von Postojna
29. September, 2026|Tief unter der Region Postojna, wo es dunkel und geheimnisvoll ist und Wassertropfen ganz langsam Tropfsteine entstehen lassen, soll einst ein Drache gelebt haben – riesig, furchterregend und immer hungrig. Wenn er aus der Höhle kam, brüllte er so laut, dass es weit durch die Landschaft hallte. Die Menschen fürchteten ihn und überließen ihm ihr Vieh, damit er sie in Ruhe ließ. Niemand wagte sich in seine Nähe. Niemand außer Jakob.

Der Hirtenjunge Jakob stammte aus Šmihel pod Nanosom. Er hatte weder ein Schwert noch eine Rüstung oder ein Heer. Dafür besaß er etwas viel Wichtigeres: Klugheit, Mut und Neugier. Er beobachtete den Drachen, dachte nach und entwickelte schließlich einen Plan.

Der Legende zufolge bereitete Jakob eine Falle vor. Er füllte ein Kalbsfell mit Branntkalk und legte es für den Drachen aus. Als dieser die vermeintlich leichte Beute witterte, zögerte er nicht und verschlang sie. Kurz darauf trank er Wasser. Da begann es in seinem Inneren zu brodeln. Der Drache blähte sich auf und zerbarst schließlich – in jenem Augenblick, von dem die Menschen bis heute erzählen. Jakob hatte den mächtigen Drachen nicht mit Kraft besiegt, sondern mit seinem Verstand. Aus der Haut des Drachen fertigten die Einheimischen anschließend Taschen an. Deshalb tragen die Menschen der Region Postojna bis heute den Beinamen „Torbarji“, die „Taschenmacher“.
Wenn du in der Höhle ganz genau hinhörst, vernimmst du vielleicht das Echo dieser alten Geschichte. Oder ist es doch nur das Tropfen des Wassers? Wer weiß.